Dritter Weltkrieg. Die Lunte ist gezündet – kann sie jemand ausblasen?

In der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 2026 begannen israelische und US- amerikanische Luftstreitkräfte mit einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die islamische Republik im Iran. Diese Entwicklung hatte sich bereits seit Mitte letzten Jahres 2025 angekündigt, nachdem im so genannten Zwölf-Tage-Krieg israelische Luftstreitkräfte versucht hatten, die vermutete Gefahr eines nuklearen iranischen Atomwaffenprogramms über gezielte Luftschlägen zu beseitigen. Besonders bemerkenswert war in diesem Zusammenhang der abschließende Einsatz von US- amerikanischen Tarnkappenbombern (B-2), die in aller Heimlichkeit mit sog. bunkersprengenden Bomben diese Gefahr endgültig zu beseitigen suchten. Dem Einsatz dieser angeblich vom Radar nicht zu identifizierenden Langstreckenbomber ging eine Scharade und Täuschungsstrategie durch den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump voraus, der öffentlich den Einsatz dieser Tarnkappenbomber androhte, währenddessen diese schon auf dem Weg in den Iran waren. Ob der Einsatz erfolgreich war, aus der Perspektive der US-amerikanischen Streitkräfte, ist nicht endgültig geklärt und unter Umständen auch nur eine Nebelkerze. Denn im März 2025 verkündete die Koordinatorin der US-amerikanischen Geheimdienste, Tulsi Gabbard, dass nach der Auffassung der US-amerikanischen Geheimdienste der Iran weder eine Atombombe anstrebt, noch dazu in der Lage ist, sie kurzfristig zu entwickeln und bereitzustellen. Wozu also das Ganze? Unmittelbar vor dem so genannten Zwölf-Tage-Krieg jedoch hat die nationale Geheimdienstkoordinatorin diese Darstellung widerrufen und darauf hingewiesen, dass der Iran nun doch in der Lage sei, das zu tun, was nicht nur im Internet zu erheblicher Kritik an ihrer unklaren und widersprüchlichen Position geführt hat. Trump habe, so sagte sie jüngst vor einem Kongressausschuss, das letzte Wort in der Risikoabschätzung – eine würdige Arbeitsauffassung für die von Trump eingesetzte Koordinatorin der 18 US-amerikanischen Geheimdienste: Hail to the Chief!

In jedem Fall erscheint das vorläufige Ende des Zwölf-Tage-Krieges vom Juni 2025 und die Führung von Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran um die dort befürchtete Uran- Anreicherung im Rückblick eine Strategie zu sein, wie von manchen Beobachtern spekuliert worden ist, die Bombenarsenale der israelischen und US-amerikanischen Luftwaffe wieder aufzufüllen (und auch noch die US-Kriegsmarine ins Zielgebiet zu entsenden). Wenn auch nicht im Medien-Mainstream bekannt, so wurde mit guten Argumenten darauf hingewiesen, dass der Eintritt der USA in den Zwölf-Tage- Krieg, der eindeutig von Israel begonnen worden war und dem schon Morde an verschiedenen Verhandlungsführern der Hamas und hiermit verbundenen Staatsbeamten der iranischen Republik vorangegangen waren, erfolgte, weil die israelischen Systeme der Raketenabwehr dem massiven Drohnenangriff aus dem Iran nicht länger standhalten konnten und somit eine existenzielle Krise für Israel entstanden war. Die im Anschluss angesetzten Verhandlungen zwischen USA und Iran in Genf haben dann ja „Zeit gekauft“ – böse Menschen, die da an Minsk denken!

Auch diesmal, so hat sogar der US-amerikanische Außenminister Marco Rubio verklausuliert auf Fox News verkündet, habe Israel den Angriff auf den Iran begonnen, und die USA seien nur beigetreten, um größere Verluste von US-amerikanischen Soldaten zu vermeiden, die eingetreten wären, wenn sie einfach auf die bevorstehenden Vergeltungsschläge des Iran auf US-amerikanische Einrichtungen gewartet hätten. Mit diesem argumentativen Eiertanz versuchte Marco Rubio, den Eintritt der US-amerikanischen Luftstreitkräfte in den Krieg Israels gegen den Iran zu begründen und ihn sogar über das ideologische Konzept des präventiven Krieges völkerrechtskonform zu legitimieren. Aufgrund der massiven Aufrüstung und Ansammlung von US-amerikanischer Marine im Mittelmeer, im roten Meer und im indischen Ozean in den letzten Monaten eine reichlich dümmliche und leicht durchschaubare Rechtfertigungsstrategie für eine lang diskutierte komplexe Strategieoption gegen den Iran, die bereits 2009 von der (demokratischen Partei in den USA nahestehenden) The Brookings Institution unter dem Titel „Which Path to Persia? Options for a New American Strategy Toward Iran“ durchdacht und in einer bemerkenswerten Policy-Studie veröffentlicht wurde (siehe unten den Link am Ende dieses Beitrags), in der diplomatische, militärische und regimestürzende Handlungsoptionen erörtert wurden. Das letzte Kapitel heißt: „Crafting an Integrated Iran Policy: Connecting the Options.“ Klingelt’s in den Ohren? Trump ist nicht allein.

In jedem Fall wurde der allgemein verkündete Fortschritt von Verhandlungen, die parallel zum Angriff der Israelis und US-amerikanischen Streitkräfte auf den Iran liefen, zwischen dem Iran und den USA zur Kontrolle des iranischen Atomprogramms, über die der omanischen Außenminister als Vermittler von „Fortschritten“ sprach, vom US-amerikanischen Außenminister in seiner medialen Rechtfertigungsrede nicht thematisiert. Viel wahrscheinlicher ist daher die Vermutung und die Erklärung, dass die USA den Iran während der Verhandlung in Genf in Sicherheit gewogen haben, um dann hinterrücks zusammen mit den israelischen Streitkräften zuzuschlagen. Eine Strategie im Übrigen, die in der Geschichte und Machtpraxis des US-amerikanischen Empires nicht unbekannt ist. Nur: eine Existenzkrise Israels ist damit jedoch nicht geringer geworden. Im Gegenteil, und es gibt Befürchtungen, Israel könnte unter Umständen auf Nuklearwaffen zurückgreifen, sollten seine Abwehrkräfte gegen iranische Drohnen versagen, worüber es Hinweise gibt. Allerdings haben lt. Medienberichten sowohl Pakistan als auch Nordkorea mit nuklearen Gegenschlägen auf Israel gedroht, sollte dieses den Iran nuklear attackieren. Den Israelis dürften aber bald die Optionen ausgehen.

Das Ziel der völkerrechtswidrigen Angriffe auf den Iran ist nicht nur die Zerstörung militärischer Infrastruktur, sondern auch die selektive Auslöschung, die bislang erfolgreich war, der hohen politischen, religiösen und militärischen Eliten der islamischen Republik Iran. Hiermit ist, wie Vladimir Putin völlig zurecht feststellte, ein völkerrechtlicher Präzedenzfall geschaffen worden, denn bisher galt in kriegerischen Auseinandersetzungen nach dem Zweiten Weltkrieg gerade zur Sicherstellung von diplomatischen Kontakten die rote Linie, dass die Führungseliten oder auch das diplomatische Korps von gezielten Tötungen ausgenommen bleiben. Dieser hochoffizielle Tabubruch hat die USA im Übrigen nicht davon abgehalten, bereits früher den Tod von demokratisch gewählten Staatsmännern Mohammad Mossadegh (Iran, Putsch 1953, verstorben: 1967), Patrice Lumumba (Kongo, 1961) und Salvador Allende (Chile, 1973) zu fördern. Wobei nicht ausgeschlossen ist, dass das der Einwand des russischen Präsident auch aus egoistischen Motiven so sieht; das ändert jedoch nichts an dieser wirklichen „Zeitenwende“. Ein Tabu zumal, das Israel bereits in der Reaktion auf den Angriff der Hamas im 7. Oktober 2023 mehrfach gebrochen hat, augenscheinlich oftmals, um erfolgreiche Friedensverhandlungen zu torpedieren. Schon damals kamen iranische Offizielle in einem Angriff in Qatar in das Visier der israelischen Streitkräfte. Und auch im Zwölf-Tage-Krieg wurden gezielte Tötungen von Atomwissenschaftler im Iran vorgenommen, die eindeutig dem Völkerrecht widersprechen – ganz abgesehen von der Mossad-gesteuerten „Handy-Attacke“ auf die Hisbollah im September 2024.

Die jüngste Strategie der Israelis und der USA, den obersten religiösen und staatlichen Führer Ayatollah Khamenei im Iran zu töten, ist als sogenannte Enthauptungsstrategie bezeichnet geworden. Man könnte sie profan auch als Mord betrachten. Gelegentlich wird diese Strategie zwar auch als notwendiger Tyrannenmord im moralisch doppelbödigen Westen von unbedachten Journalisten und prinzipienlosen Moralisten gerechtfertigt, dabei aber übersehen, dass damit eine Kannibalisierung der internationalen Staatsbeziehungen beginnt, die einem Bumerang gleich auf sie zurückfallen kann. Und: Trump hat die „Enthauptung“ Khameneis bereits im Sommer 2025 angedroht (wer erinnert sich?): wir wissen, wo du wohnst! Zu seiner Entdämonisierung muss jedoch hinzugefügt werden, dass bereits unter Barack Obama drohnengestützte Ermordungen von Personen, die als (rechtlich als mutmaßlich einzustufende) Terroristen global offenbar für ‚vogelfrei‘ erklärt wurden, als neue kriegerische Strategie eingesetzt worden ist. So erscheint es in dieser Eskalationslogik nur konsequent, bei sich ergebenden technischen Möglichkeit auch nicht wohl gesonnene Staatsführer und hohe Politiker entsprechend ins Visier zu nehmen. Einem wenig reflektierten Wüterich wie Trump, der sich zudem von iranischen Schergen bedroht fühlte, kommt diese Option natürlich gelegen.

Eingedenk des Widerspruchs dieser Praxis zum internationalen Völkerrecht kann man solche gezielten Tötungen nur als Staatsterrorismus bezeichnen, insbesondere dann, wenn sich die Gründe und Argumente für einen angeblichen und unter Umständen sogar noch angeblich Demokratie fördernden Tyrannenmord nicht finden lassen – was hier der Fall ist (dann bleibt auch von dem angeblich „präemptiven Charakter“ des Zuschlagens nichts mehr übrig). Ob dagegen ein Regime Change – wie allenthalben ausposaunt – tatsächlich geplant war und ist, wird schnell zu erkennen sein, sobald die USA, Israel oder sogar die NATO hierzu notwendige Bodentruppen in die Region schicken; erste Diskussionen laufen bereits (ein Blick in die erwähnte Studie der The Brookings Institution hilft auch hier weiter). Bis jetzt scheint aber eher die Strategie zu sein, den Iran wie einst Libyen oder Syrien ins Chaos zu stürzen. Das dürfte aber scheitern; das sagte im Übrigen auch der im vergangenen September ermordete rechtskonservative Aktivist, Charlie Kirk, voraus. Und tatsächlich: es droht durch die Blockade der „Straße von Hormus“ durch den Iran nicht nur der energetische Herztod der Weltwirtschaft, sondern u.U. auch der entscheidende Schritt zur militärischen Eskalation, die der scheinbar begriffsstutzige militärisch-industrielle Komplex angeblich nicht auf der Rechnung hatte (s. The Brookings Institution; erwähnte ich diese Studie noch nicht?). Der Iran wird nicht klein beigeben, selbst wenn Netanjahu mittlerweile die Europäer anbettelt, der persische Staat könnte mit seinen Raketen auch Europa erreichen. Manchen verwirrten Berlin-Korrespondenten von Qualitätsjournals geht offenbar schon „die Muffe“. 

Kritische und kluge Beobachter des US-Empires (u.a. Jeffrey Sachs, Emmanuel Todd und  Rainer Mausfeld), die im medialen Mainstream geschnitten werden, sprechen aufgrund der gravierenden, nicht nur regionalen, sondern auch internationalen Auswirkungen, dieses völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israels mit großer Ernsthaftigkeit und Sorge vom Beginn des Dritten Weltkriegs. Auch der serbische Präsident Vucic sieht im Interview mit der Berliner Zeitung vom 21.03.26 den Dritten Weltkrieg kaum noch abzuwenden. Anscheinend kluge Gegenargumente des „gesunden Menschenverstandes“ (vor dem schon der Sozialphilosoph und Friedensaktivist Erich Fromm warnte) in der verblödeten politischen Öffentlichkeit, dass gar kein Weltkrieg erklärt worden sei, ignorieren die historische Tatsache, dass das weder für den Ersten Weltkrieg noch für den Zweiten Weltkrieg gegolten hat. Diese waren zunächst regional begrenzt und weiteten sich dann über Allianzen schnell aus. Hierzu lagen auf allen Seiten Planungen vor, die dann schnell aktiviert wurden. Und zur Erinnerung: sollten wir nicht demnächst „kriegstüchtig“ (Boris Pistorius) werden? Und laufen zu deren Erreichung allenthalben nicht staatliche Planungen auf EU-, NATO- und nationaler Ebene bereits auf Hochtouren? Geschichte – das ist bekannt – wiederholt sich nicht, und wenn doch dann erst als Farce und dann als Tragödie. Der dritte wären demnach tragisch. 

In dieser Konstellation sind wir mittlerweile also angekommen, wenn auch die Kriegsbegeisterung auf Seiten der so genannten BRICS-Staaten bislang, die das eigentliche Ziel des US-Empires sind, nicht so hoch ist wie bei den markttotalitären und sich faschisierenden Staaten USA und Israel. Die Autokratien China und Russland, die manifeste ökonomische Interessen in der ölreichen und geostrategisch bedeutsamen Region des Mittleren Ostens (und gute Kontakte nach Iran) haben, halten sich bislang mit aggressiven Reaktionen gegenüber Israel und den USA zurück. Im UN-Sicherheitsrat wurden sogar – zum Entsetzen des Iran – dessen Vergeltungsschläge auf die sunnitischen Erdöl-Emirate, in denen US-amerikanische Stützpunkte liegen, verurteilt, ohne dass Russland und China diese Resolution durch ihr Vetorecht verhindert hätten. Ihre Enthaltung bedeutet freilich nicht, dass sie der irankritischen UN-Resolution, die maßgeblich vom US-Imperium und sein westlichen Vasallenstaaten durchgesetzt wurde, argumentativ zustimmten. Das machten ihre Minderheitsvoten deutlich. Aber offenbar wollen sei kein Öl ins Feuer schütten und China selbst bot an, ein „Hort der Stabilität“ zu sein inmitten den Stürmen in weltwirtschaftlichen Gewässern. Der USA und der Westen haben offenbar jeden Kompass verloren und irren wie Scheintote herum. 

Verständlicherweise war der iranische Außenminister trotzdem erheblich erbost über die Verabschiedung der von Bahrein initiierten Sicherheitsratsresolution und über die dort nicht vorkommende Erwähnung des völkerrechtlichen Angriffskriegs der USA und Israels auf sein Land. Nicht unmöglich, dass diese Resolution im Grunde der endgültige Sargnagel für die Vereinten Nationen und die normative Kraft des internationalen Völkerrechts sein wird. Trotz aller machtbasierten Deformierung des realen Völkerrechts ist doch bemerkenswert, wie schnell dessen ideologische Hülle – Trump sei Dank – abgestreift wird. Das meinte auch im neuesten SPIEGEL ein verantwortungsloser Philosoph in einem machtbewussten Essay (von Friedrich Merz und anderen Politgrößen ganz zu schweigen). Der Trump’sche Friedensrat als Alternative zu den Vereinten Nationen mag doch mehr sein als reine Hybris: disruptive Hybris. Die Podcaster Lanz und Precht kommen da fast schon wie Friedensapostel daher.

Es ist aber richtig gefährlich: die blauäugige Verzweiflung Trumps, China und andere NATO(D)-Willige in einen Krieg gegen den Iran hineinzuziehen, nachdem der nicht so läuft, wie er zu hoffen wagte oder von Netanjahu suggeriert wurde, indem diese für die Befreiung der „Straße von Hormuz“ gewonnen werden, kann bei diesem autoritären Narzissten schnell in blanke Wut umschlagen. Dass die Europäer dabei auf rhetorische Distanz zu der US-Strategie gehen, mag auf den ersten Blick hoffen. Dieser täuscht allerdings, denn die Distanz zu Trump ergibt sich eher aus der Kriegswilligkeit, gegen Russland vorzugehen (und auf einen baldigen Abgang Trumps zu hoffen). In jedem Fall steht dem „deutschen Europa“ (Ulrich Beck) wegen der gegenseitigen Zerstörung von Öl- und Gasfeldern im Nahen Osten entweder ein eiskalter oder kriegsheißer Winter bevor. Und Trump legte nach; noch 48 Stunden habe der Iran, um die „Straße von Hormus“ freizumachen, sonst würden die USA die iranische Energieinfrastruktur in Schutt und Asche leben. Wenn dann der Iran hierauf davon spricht, er habe die „Eskalationsdominanz“ dann wird einem schon von alleine heiß und kalt. Trübe Aussichten, in jedem Fall.

Ja, und was passiert sonst bei uns? Während Politik, Medien und Gesellschaft (und sogar das Gesundheitswesen) in Deutschland zum Krieg gerüstet werden (gegen den „russischen Imperialismus“ natürlich), reden die hiesigen auf Zeit gewählten Repräsentanten des Volkes in den ihnen an den Lippen hängenden „Qualitätsmedien“ reichlich dummes Zeug und schweigen über die Tatsache des Völkerrechtsbruchs durch Israel und die USA (es gibt Ausnahmen, aber die muss man schon in selten gelesenen Zeitungen und nur wenig gehörten Podcasts hören; der Durchschnittsbürger wird schon mal auf „notwendige Machtpolitik“ getrimmt). Insgesamt eine höchst merkwürdige und beunruhigende Konstellation, ist doch nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch Russlands in die Ukraine (der nach offizieller Lesart nicht provoziert war, was man Noam Chomsky zufolge aber auch anders sehen kann – und sprach nicht Merkel vom Aufrüstungsziel durch Minsk I und II?), die Leugnung eines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs in der Bundesrepublik Deutschland eine Straftat. Doch: wer will schon den Bundeskanzler anklagen, für den bekanntlich Israel (und die USA) gegenüber dem Iran im Juni 2025 die notwendige „Drecksarbeit“ gemacht haben? Wen wundert’s, dass da der Iran vom Ende jedweder Verhandlungen mit den USA (und ihren willigen europäischen Partnern) in der Zukunft spricht. Wie werden China und Russland auf die Destabilisierung der für sie wichtigen Region und die bedrohte Existenz ihres Drohnen- und Energiepartners Iran reagieren? Werden sie mehr tun als „Daten“ zu übermitteln, wie Trump selbst über Russland weiß? Wer will von den Kriegsverbissenen noch miteinander reden?

Totaler Kommunikationszusammenbruch endet nach Niklas Luhmanns Gesellschaftstheorie bekanntermaßen in gesellschaftlichem Zerfall. Das Ende der Diplomatie im Nahen Osten ist demnach der Beginn vom Ende der „Weltgesellschaft“ unter Führung des Westens. Eine Ausweitung des Krieges auf Europa scheint durch den nebulösen Angriff auf eine britische Stellung auf Zypern nur noch eine Frage der Zeit; wobei der Iran abstreitet, dies getan zu haben. Ist es ein Zufall, dass nach diesem Ereignis der angezählte britische Premier Keir Stamer seinen Widerstand gegen eine logistische Unterstützung des US-Empires im Irankrieg aufgegeben hat? Ein britisches Nuklear-U-Boot ist schon auf dem Weg. Kann man auf Spaniens Widerstand hoffen? Die Lunte ist gezündet. Können Pedro Sanchez und noch viele, viele andere Verantwortungspolitiker sie noch ausblasen? Kehren die ver(w)irrten deutschen und europäischen Politiker und Politikerinnen in sich und „denken mal gründlich drüber nach“ (Miss Marple), was sie so alles in der letzten Dekade nicht begriffen und vielleicht selbst mitangezettelt haben? Keiner kennt die Antwort, man kann nur hoffen und gegen die allgemeine Kriegshysterie aktiv für den Frieden eintreten, denn ansonsten gilt leider: Willkommen im Dritten Weltkrieg!

Kenneth M. Pollack, Daniel L. Byman, Martin Indyk, Suzanne Maloney, Michael E. O’Hanlon & Bruce Riedel (2009): Which Path to Persia? Options for a New American Strategy Toward Iran. Analysis Paper No. 20 (June 2009). The Saban Center for Middle East Policy at The Brookings Institution, Washington D.C. (URL: https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2016/06/06_iran_strategy.pdf)

 

Kai Mosebach, Oberursel, 20.03.26

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